Wiederaufbau Burg Trifels

Ausstellung „70 Jahre Wiederaufbau Burg Trifels“ vom 14. Sept. 2008 bis 1. Febr. 2009
 

Auch 70 Jahre nach Beginn des Wiederaufbaus der Burg Trifels vermuten die meisten Besucher mittelalterliche Mauern in der ehemaligen Reichsburg anzutreffen. Zumindest ist man mehrheitlich davon überzeugt, dass die Burg nach historischen Befunden wieder aufgebaut wurde. Dass es sich jedoch um eine vollkommene Neugestaltung handelt, eine „mittelalterliche Attrappe“, mit der die Nationalsozialisten mit dem Trifels als „nationale Weihestätte“ die vermeintlich wiedergewonnene deutsche Macht und Größe im Dritten Reich demonstrieren wollten, ist kaum jemanden bekannt und nur spärlich dokumentiert. Aus diesem Anlass will das Museum unterm Trifels in Annweiler mit einer Ausstellung die scheinbar verdrängte Architekturgeschichte des Trifels während des Nationalsozialismus in Erinnerung rufen und die Öffentlichkeit gegenüber dem verfälschten Kulissenzauber sensibilisieren. 

 

„Der Trifels, einst Mittelpunkt des Reichs, Sinnbild deutscher Größe und Herrlichkeit soll im neuen deutschen Reich aus vielhundertjährigem Schlaf in neuer Form zu neuem glanzvollen Leben erwachen und als nationale Weihestätte dem deutschen Volk bis in die fernste Zukunft die Wiedererstehung des Reiches in alter, ja in größerer Macht und Herrlichkeit künden.“

So verkündete es der bayerische Ministerpräsident Ludwig Siebert 1941, als die von ihm initiierten Baumaßnahmen einer glanzvollen Burg auf dem Sonnenberg schon längst ins Stocken geraten waren. Noch 1938 hatte er versprochen nur ein Jahr später den Neubau als Reichsehrenmal einweihen zu wollen. Doch der Krieg und sein glanzloses Ende, ließen seinen Traum platzen.

Angefangen hatte alles 1935. Eine Ausstellung in Annweiler unter dem Titel: „Trifels – Symbol deutscher Macht“ ließ bereits den tollkühnen Plan von Siebert anklingen. Er hatte einiges vor mit der Burg, von der nur noch Ruinen an die große Stauferzeit erinnerten. Den Bogen wollte er knüpfen von der Stauferzeit zum Dritten Reich und damit auch die Ansprüche einer aufsteigenden Nation unter der Führung Adolf Hitlers dokumentieren.

Im Trifels erkannte Siebert eine geeignete Stätte. Früher im Herzen des Reiches, heute scharf an der Grenze zu Frankreich. Da musste man Flagge zeigen. Mit allen seinen Beziehungen machte der Ludwigshafener Geld für das Projekt locker. Selbst Hitler genehmigte 200.000 RM. Zuerst Ausgrabungen, danach Sicherungsarbeiten und ab 1938 das eigentliche Ziel, der Wiederaufbau.

Wiederaufbau ist eigentlich das falsche Wort. Neubau trifft die Sache besser. Es war nicht an eine historische Wiedergabe gedacht, sondern an eine Idee, die so genannte „Trifelsidee“, wie es der verantwortliche Architekt Rudolf Esterer ausdrückte. Esterer, Oberbaurat bei der Bayerischen Schlösserverwaltung und seit 1924 Leiter der Abteilung Bau- und Denkmalspflege, brachte die Visionen mit, die Siebert begeisterten. So erhielt er den Auftrag, den Trifels im Sinne der nationalsozialistischen Architektur neu entstehen zu lassen.

Unter Einbeziehung architektonischer Elemente der Bauten Friedrichs II. in Süditalien schuf Esterer mit dem Kaisersaal den gewünschten Raum von Erhabenheit und Größe, der dem Besucher einen Bezug des Dritten Reiches zur Antike und des Mittelalters suggerieren sollte. Entsprechend dem monumentalen Gedanken der Nationalsozialisten erhöhte er den Palas, was eine Aufstockung des Turmes erforderte. Das gegenüber dem Hauptturm liegende Wachthaus sollte zu einem Torhaus umgestaltet werden, durch das man über eine Treppe das südliche Felsplateau erreichte, wo ein großzügiger „Aufmarschplatz“ mit umgebenden Brüstungsmauern geplant war. Der abschließende Turmbau im Süden des Felsplateaus, der nie zur Ausführung kam, sollte als „Ehrenmal für die Toten aus Heer und Partei“ dienen, das heutige Kastellanshaus als „Führerhaus“. Ein Gebäude unterhalb des Brunnenturms war als „Ehrenunterkunft für besonders verdiente junge Leute aus der Bewegung“ konzipiert.

Bedingt durch den Krieg wurde nur der Palas im Rohbau vollendet. Dach und Innenausstattung sowie die anderen noch durchgeführten Baumaßnahmen entstanden alle nach dem 2. Weltkrieg.

Die aktuelle Ausstellung im Museum unterm Trifels dokumentiert mit Modellen, Plänen, Fotografien und Zeitungsartikeln umfassend den Wiederaufbau des Trifels von der Planung bis zur Durchführung der einzelnen Bauten. Darüber hinaus widmet sich die Schau mit dem Umgang der Trifelsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg. In der Dauerausstellung ist eine umfangreiche Dokumentation der archäologischen Untersuchung der Burg zu sehen.

 

Öffnungszeiten:

15. März bis 01. November:
Dienstag - Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr

02. November bis 14. März:
Samstag und Sonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr

Preise:
Erwachsene 2,60 Euro, Gruppen ab 12 Personen 2,00 Euro, Studenten und Auszubildende 1,80 Euro, Schüler bis 18 Jahre 1,00 Euro, Kinder unter 6 Jahre frei, Familienkarte 6,00 Euro, Gruppenführung pro Person 1,00 Euro.

Führungen nach Vereinbarung

Museum unterm Trifels

Am Schipkapass 4, 76855 Annweiler
Tel.: 06346/1682
Fax: 06346/928017
e-mail: Koelsch.Museum.Annweiler@t-online.de